Es ist wieder spät geworden. In fünf Minuten beginnt das heute-journal. Nur nicht für mich. Ich habe noch 20 Minuten Autofahrt vor mir. Zeit zum Abschalten. Aber so richtig wird das auch heute nicht gelingen. Zuviel Unerledigtes bleibt wieder zurück. Und Krüger habe ich auch vergessen. Den wollte ich schon seit einer Woche anrufen.

Eigentlich ist das jeden Tag so. Manchmal frage ich mich, ob das irgendwann wieder besser wird. So wie früher. Da habe ich mich noch gefreut, wenn das Telefon klingelt. Es könnte ja ein Kunde sein. Heute ist jeder Anruf eine neue Aufgabe, obendrauf auf dem Berg, der da ohnehin schon liegt. Oder drunter? Egal.

Es sind aber auch viele Kunden geworden, in den letzten Jahren. Gestartet am Küchentisch. Dann das erste kleine Büro, was war ich stolz! Und nun in bester Lage, direkt neben dem Rathaus. Gut, unser Ort ist ziemlich übersichtlich, nur 8.000 Einwohner. Aber immerhin, das muss erst mal jemand nachmachen, aus dem Nichts aufgebaut. Spaß macht es schon.

Nur, lange geht es nicht mehr so weiter. Vorigen Monat hatte ich Hochzeitstag. Ist mir aber erst aufgefallen, als ich die Tagesthemen sehen wollte und meine Frau so komisch reagiert hat. Für Blumen war’s zu spät. Das darf nicht mehr passieren. Aber irgendwie laufe ich auch nur noch hinterher. Das schlechte Gewissen, wieder irgendwas vergessen zu haben, ist schon Normalzustand. Da helfen mir auch keine Schulterklopfer, wie erfolgreich ich mein Unternehmen entwickelt habe. Wenn die alle wüssten …

Den Computer mache ich jetzt aus. Die 42 ungelesenen Mails müssen bis morgen warten. Das ist sowieso der Motivationskiller schlechthin. Kaum hast du es geschafft, deinen Posteingang fast leerzuräumen, ist er wieder voll. Und bei jedem Mist bis du im CC. Die Krönung sind diejenigen, die dich eine Stunde nach einer Mail anrufen und fragen, wo die Antwort bleibt. Am besten, ich nehme meine Abwesenheitsnotiz gar nicht mehr raus. Dass ich mein Geld mit Kunden betreuen verdiene und nicht mit E-Mails beantworten, scheint nicht jeder zu verstehen. Auf jeden Fall muss sich was ändern. So geht’s nicht weiter.

Licht aus, Anrufbeantworter an, Tür zu. Ich fahr jetzt nach Hause.

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Liebe Blog-Leser!

Das war der Einstieg aus einer Beratung vor kurzem, natürlich nochmals neu formuliert. Zum Nachdenken. Fortsetzung folgt.

Viele Grüße aus Köln
Ihr Steffen Ritter

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