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… oder wie Sie Ihre Zeit ver(sch)wenden können …

Wer von Ihnen schreibt eigentlich Fahrtenbuch (nach) und sitzt stundenlang vom ersten bis dritten Urlaubstag oder am 22.12. jeden Jahres? Besser ist es oft, die Steuern einfach zu bezahlen und sich Gedanken zum eigenen Geschäft zu machen. Da kommt Lebensqualität und Lebensfreude auf!

Zunächst sei vorweg genommen, dass ich in Seminaren und Beratungen Menschen kennengelernt habe, die mit einem hohen Maß an Selbstdisziplin nach jeder betrieblich veranlassten Fahrt Stift und Buch gezückt haben und Datum, Uhrzeit, aufgesuchte Geschäftspartner, den Grund der Fahrt, gegebenenfalls die gefahrene Route sowie die Kilometerstände und die Distanz aufgezeichnet haben. So sind etwa 5 Prozent der Menschen.

Die Mehrheit, die sich irgendwann einmal für das Führen eines ordnungsgemäßen Fahrtenbuches entschieden hat, nimmt sich das tägliche Aufzeichnen zumindest vor. Regelmäßig in der Woche kommt dann der Gedanke „Ich mache das freitags.“ Aber Freitag ist Wochen-Ende, also ist einzukaufen oder etwas Privates vorzubereiten. Das ist nicht schlimm, denn zum Monatsende reicht es ja auch noch. Die paar Zahlen können Sie sich merken oder zumindest nachvollziehen, denn Sie haben da ja noch Ihren Kalender. Aus dem Monatsende wird dann das Quartalsende und irgendwann sind auch Sie kurz vor dem ersehnten Jahresurlaub.

Endlich ist dann mal Zeit und Sie haben sich gründlich vorbereitet. Vor sich auf einem großen Tisch liegen chronologisch sortiert alle Tankbelege, gleich daneben die Kontoauszüge, denn ab und zu haben Sie die maestro-Card Ihres betrieblichen Bankkontos verwendet und somit Spuren hinterlassen, wo Sie wann gewesen sind. Ihren Terminplaner haben Sie zurechtgelegt, alle Knöllchen, die zwar nicht Betriebsausgabe sind, doch dennoch belegen, wo Sie waren. Für die Kilometer-Recherchen nutzen Sie einen Routenplaner aus dem Internet. Der führt Sie topaktuell über Straßen, die zum Zeitpunkt Ihrer Fahrt noch im Bau waren. Fünf bis sieben verschiedene Stifte verwenden Sie, das Fahrtenbuch zerknittern Sie etwas, damit es „gelebt“ aussieht. Sie verrechnen sich nicht, übertragen alle Zahlen richtig. Doch dann vergessen Sie eine längere Privatfahrt und die Kraftstoffmenge des nächsten Tankbeleges passt nicht in den Tank. Auch haben Sie bei Ihren Eintragungen sämtliche Uhrzeiten geschätzt, denn kein Mensch kann sich so viele Details merken. Mittels Chi-Quadrat-Test kommt Ihnen das Finanzamt dann doch eines Tages auf die Schliche (Ein mathematisch-statistisches Verfahren mit dem nachgewiesen wird, ob bei großen Datenmengen die vorkommenden Ziffern, zum Beispiel der Uhrzeit gleich oft vorkommen. Bei manipulierten Eintragungen verwendet man oft Lieblingsziffern.)

Fazit: Sie betreiben einen enormen Aufwand und Ihr Fahrtenbuch bleibt im Zweifel falsch. Anlässlich einer späteren Betriebsprüfung wird es schließlich doch ad absurdum geführt und zum Ansatz kommt die 1%-Methode.

Ein Rechenbeispiel: Sie fahren etwa 40.000 km pro Jahr, darunter 8.000 privat veranlasste Kilometer und „verbrauchen“ 12.500 € Kfz-Kosten. Sei es, dass Ihr Kfz bei der Nutzungsentnahme mittels 1%-Methode mit 300 € pro Monat anzusetzen ist. Eine nähere Erläuterung hierfür erspare ich mir an dieser Stelle einmal.

Mittels ordnungsgemäß geführtem Fahrtenbuch beträgt die Nutzungsentnahme, also Ihre zu erfassende (fiktive) Betriebseinnahme, 8000/40000 = 20% von 12.500 € = 2.500 €.

Bei der 1%-Methode wären es (vereinfacht gerechnet) 12 x 300 = 3.600 €.

Es geht also bei der Entscheidung Fahrtenbuch vs. 1%-Methode um den Unterschied beim zu versteuernden Einkommen von 1.100 €. Nehmen wir an, Sie hätten den Grenzsteuersatz von 40%, dann müssten Sie 440 € mehr oder weniger an das Finanzamt zahlen.

Stellen Sie sich am besten folgende Fragen zur individuellen Beantwortung:

  • Wieviel Stunden schreiben Sie Ihr Fahrtenbuch (nach)?
  • Welcher „Stundensatz“ ergibt sich daraus für Sie?
  • Könnten Sie in dieser Zeit auch vertrieblich tätig sein?

Ist es denkbar, dass Sie in der möglicherweise gesparten Zeit eine Provision von zusätzlich 1.100 € erarbeiten? Dann wäre Ihr „fehlendes“ Fahrtenbuch bezahlt.

Entscheiden Sie selbst! In sehr vielen Fällen ist ein Fahrtenbuch ineffizient und schwebt bis zur nächsten Betriebsprüfung wie das Schwert des Damokles über Ihnen. Ob es gut geht oder nicht, liegt oft nicht in Ihrer Hand …


Bis bald & herzliche Grüße

Ihr
Björn M. Jäger

Partner des Institut Ritter

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