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Am Montag habe ich in der Nähe von Stuttgart den ersten Schnee des zweiten Halbjahres 2010 gesehen. So kam mir eine Woche in Österreich erneut in Erinnerung, die ich vor knapp 20 Jahren erlebte.

Es ist schon eine ganze Weile her. Es war Ende 1991. Es war in Tirol …

Für im Flachland Aufwachsende wie mich ist es nicht selbstverständlich, im Kindesalter Skifahren zu lernen. Während zum Beispiel in der Alpenregion schon Kleinkinder wie selbstverständlich mit der Fortbewegung per Ski aufwachsen, hat mich in diesem Alter niemand auf zwei Holzleisten gestellt. So wie manch anderer als Kind nicht Schwimmen lernt, waren mir diese beiden Bretter eher fremd.

1991 wollte ich dieses Manko also beheben. Mich führte es nach Sölden in einen der ganz normalen Skikurse. Für Anfänger, versteht sich. Da ich nicht wusste, was auf mich zukommt, war ich auch nicht besonders aufgeregt. Sind ja alles Anfänger, dachte ich. Vielleicht bin ich sogar der Einäugige unter den Blinden? Weit gefehlt! Es kam ganz anders.

Meine Gruppe bestand ausschließlich aus Frauen, sämtlich eher reifere Damen. Altersvermutungen umgehe ich, jedoch war gefühlt mehr als eine Generation zwischen uns. Kurzum, ich war das Küken. Insbesondere im Vergleich zur Gruppe war ich völlig unbeleckt, in ihren Skifahrkünsten waren mir alle überlegen. Wer hätte das gedacht! Sicher waren die alle gar keine Anfänger, sie wollten sich lediglich nicht blamieren und hatten deswegen den Anfängerkurs gebucht. Diese Rolle kam nun mir zu, den kompletten Montag. Das Ganze war derart frustrierend, dass ich mich am Dienstag, dem zweiten Tag meiner Skilernwoche, ungefragt von der Gruppe entfernte. Einfach allein irgendwo üben, nahm ich mir vor. Gedacht, getan. Meine Gruppe lernte oben auf dem Berg, ich war unten in der Nähe des Dorfs. Und siehe da, nach ein paar Stunden hatte ich ein paar Bewegungsabläufe raus, die mir ermöglichten längere Zeit am Stück aufrecht zu bleiben. Erste kleine Erfolge stellten sich ein. Meine damaligen Versuche wären heute auf Youtube ein Renner.

Neu motiviert und gestärkt durch diese kleinen Erfolge traute ich mich, am nächsten Tag, dem Mittwoch, wieder zur Gruppe aufzuschließen, die sich schon sorgte und mich gern wieder aufnahm. Und so lernte und fuhr und lernte und fuhr ich bis zum Freitag verschiedene Pisten herunter. Rein leistungsmäßig war ich im guten Mittelfeld meiner Gruppe angelangt, mehr war einfach nicht drin. Zugleich war dies meine erste und bisher auch letzte Woche im Skifahren lernen. So wie ich damals Skifahren gelernt habe, fahre ich heute noch. Vielleicht auch ein klein wenig besser. Die verschiedenen Prioritäten im Leben haben bei mir „Skifahren lernen, Volume II“ noch nicht wieder auf die Tagesordnung gebracht.

Auch heute fahre ich noch ab und zu Ski. Nicht so richtig gut, aber durchaus brauchbar. Selbst schwarze Pisten komme ich sturzfrei runter. Nur wenn mich gut Geübte und Profis beobachten, sehen diese natürlich die diversen Mängel. Insbesondere habe ich ein Problem: Wenn ich ein paar Abfahrten hinter mir habe, bin ich k.o. und muss pausieren. Schade eigentlich! Ich habe nie so richtig Ski fahren gelernt. Ich fahre nahezu ausschließlich mit Kraft und sehr, sehr wenig mit Technik. Eigentlich fahre ich frei von Technik.

Warum beschreibe ich Ihnen das Alles? Auch viele Unternehmer, auch viele Verkäufer führen ihren Betrieb ausschließlich mit Kraft und nur sehr wenig mit Technik. Nimmt die Arbeit zu, wird noch mehr Kraft und Zeit investiert. Und nimmt die Arbeit weiter zu, wird noch mehr Kraft und Zeit investiert. Unökonomisch verbraucht derjenige irgendwann seine gesamte Energie inklusive seiner Reserven. Er geht unbemerkt – zum Teil über Jahre – weit unter Null. Beim Skifahren reicht mir eine kleine Pause. Sie, als Unternehmer oder Verkäufer müssen im Bedarfsfall deutlich länger aussetzen. Zu sehr haben sie ihre Batterien leer gemacht.

Schaffen Sie systematische Abläufe, entwickeln Sie Automatismen. Vereinfachen Sie Ihr Tun. Alles was Sie standardisieren, macht Ihnen keine (Denk-)Arbeit mehr, läuft unbewusst und fast von selbst. Arbeiten Sie an Ihrer Technik, sorgen Sie für mehr und mehr „Von-Selbst-Laufen“ Ihrer Arbeit!

Führen Sie Ihr Unternehmen und machen Sie Vertrieb besser als ich Ski fahre. Ersetzen Sie immer mehr Kraft durch Technik!

Danke für Ihre Zeit,
… und empfehlen Sie den Ritterblog weiter,
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Beste Grüße aus Köln sendet Ihnen
Ihr Steffen Ritter

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