Noch eine Kennzahl?

Betriebsausgaben, Betriebsergebnis, Umsatzrendite – alles ganz wichtige Zahlen, wird der vertriebsorientierte Selbstständige denken. Aber ob ein Vermittler wirklich erfolgreich ist, wird ganz woanders entschieden. Nicht auf irgendwelchen Zahlenfriedhöfen, sondern in den Beratungs- und Verkaufsgesprächen beim Kunden. Das ist ohne Zweifel richtig! Wozu also noch mit irgendeinem Cash-flow rumärgern …

Kurzerklärung zum Cash-flow

Der Cash-flow gibt im Allgemeinen an, wie viel Geld ein Vermittler erwirtschaftet hat. Für die finanzwirtschaftliche Disposition eines Unternehmens ist der Cash-flow (oder auch zu deutsch: Kassenüberschuss oder „Substanzzufluss“) die zentrale Größe.

Der Kassenüberschuss ist die Differenz zwischen den betrieblich erwirtschafteten Einnahmen (Geldzufluss) und den betrieblich erfolgten Ausgaben (Geldabfluss). Geldwerte Vorteile (zum Beispiel Incentives) und so genannte fiktive Ausgaben (zum Beispiel Rücklagen) sind demnach für den Cash-flow unbedeutend, hier fließt kein Geld!

Auf der einen Seite stehen vor allem die Provisionserlöse, auf der anderen Seite die Auszahlungen für Kfz-Kosten, Büromaterial, für Löhne und Gehälter, für agenturbedingte Steuern und Abgaben sowie für Zinsen, die beispielsweise an Banken bezahlt werden müssen. Die Differenz zwischen diesen Größen wird allgemein als Cash-flow bezeichnet.

Der Cash-flow ist somit definiert als die Summe der „zahlungswirksamen Erträge“ abzüglich der Summe der „zahlungswirksamen Aufwendungen“ und gilt als Maß für die Ertragskraft eines Agenturunternehmens.

Grad der ‚Innenfinanzierung’

Der Cash-flow wird auch als Grad der „Innenfinanzierung“ eines Unternehmens bezeichnet. Eine Innenfinanzierung ist dadurch gekennzeichnet, dass finanzielle Mittel nicht von externen Kapitalgebern dem Vermittler zugeführt, sondern aus dem betrieblichen Prozess heraus erwirtschaftet und in dem Vermittlerunternehmen zurückbehalten werden. Der Cash-flow steht somit für Investitionen, die Schuldentilgung oder für Ausschüttungen zur Verfügung.

Für die Finanzlage eines Vermittlers ist der Cash-flow ein wichtiger Indikator, mit welchem auch Existenzgründer in ihrem ersten Kreditgespräch häufig konfrontiert werden. Mit Hilfe dieser Kennzahl wird nicht nur die Kreditfähigkeit aus unternehmerischer Sicht sondern darüber hinaus auch die Kreditwürdigkeit extern beurteilt.

Die Wirtschaftswoche schrieb in Ausgabe 24 vom 8. Juni 1995: „Ein Unternehmen ist wie eine Badewanne ohne Stöpsel. Unten fließt in Form von Auszahlungen ständig Liquidität ab, während von oben Einnahmen für den notwendigen Zufluss sorgen. Das Grundproblem besteht darin, Zu- und Abflüsse richtig abzuschätzen und dafür zu sorgen, ‚dass die Badewanne nie leer‘ – soll heißen – das Unternehmen nie illiquide wird.“

Hinterfragen Sie bei Ihrem nächsten Gespräch beim Steuerberater durchaus einmal Ihren unternehmerischen Cash-flow! Idealerweise verfolgen Sie seine Entwicklung Jahr für Jahr.

Und – in Bezug auf die Badewanne: Sehen Sie es als Ihre unternehmerische Hauptaufgabe, dafür zu sorgen, dass Ihre Wanne nicht austrocknet …


Ich wünsche Ihnen weiterhin „viel Cash-flow“!

Herzlichst
Ihr Steffen Ritter

Geschäftsführer der Institut Ritter GmbH

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