Ich möchte zu Beginn zur Sicherheit den Begriff „Investition“ klären. Unter einer Investition versteht man in der Regel „die Verwendung finanzieller Mittel, um damit neue Geldgewinne zu erzielen“.

Investitionen im Vermittlerbetrieb können zum Beispiel im Marketing (einmalig oder laufend), in Mitarbeiter (wahrscheinlich laufend), sie können auch in Anlagevermögen (zum Beispiel Fahrzeug, Büroeinrichtung, EDV, Technik) erfolgen. Letzteres ist wohl gemeint. Es geht also um materielle Investitionen, zum Beispiel um ein Auto.

Die allererste Frage zur Finanzierung lautet zumeist: Sollte ich eigentlich bar zahlen? Hier kommt es natürlich auf das „Können“ an. Und nicht jeder der kann, sollte auch.

Etwas verständlicher: Wenn Sie – weil auf Ihrem Konto Geld rum liegt – schlussfolgern, dass Sie sich Barzahlung leisten können, liegen Sie nicht immer richtig. Das hängt einfach erklärt damit zusammen, dass nur ein Teil des Geldes – welches nach der Barzahlung ja weg ist – auch im steuerlichen Sinne weg ist, das heißt Ihren Gewinn mindert.

Ein Beispiel: Sie kaufen gleich zum Jahresstart in der zweiten Januarwoche ein neues Auto für Ihre Arbeit als Vermittler. Dies müssen Sie beispielsweise über sechs Jahre abschreiben. Das Auto kostet 36.000 Euro, ob das viel oder wenig ist, müssen Sie entscheiden.

In spätweihnachtlicher Stimmung und mit dem Blick auf Ihren durchaus entspannenden Kontostand zahlen Sie bar. Jetzt sind die 36.000 Euro weg! In der Gewinnermittlung – von Sonderabschreibungen einmal abgesehen – wirken sich „als steuerlich weg“ jedoch nur 6.000 Euro aus. Die anderen 30.000 Euro müssen Sie ganz normal versteuern, diese wirken sich erst in den Folgejahren aus. Die Steuer – je nach Progression unterschiedlich hoch – zahlen Sie aus Ihren Vorauszahlungen. Oder Sie zahlen, wenn diese zu niedrig waren, später nach. Die Nachzahlung geht wiederum von Ihrem Konto ab, auf dem hoffentlich auch nach der Barzahlung noch genügend drauf ist.

Das Problem liegt also in der zeitversetzten Abschreibungswirkung der Investition. Zusammengefasst müssen Sie sich Barzahlung in dreifacher Hinsicht leisten können.

  1. Sie müssen überhaupt erst einmal das Geld zur Barzahlung haben.
  2. Sie müssen sich danach, weil nur ein Teil der Investition Ihren Gewinn mindert, noch die Steuerlast leisten können.
  3. Und Sie müssen danach noch Liquidität übrig haben, Unternehmer sollten sich nie ganz nackt machen.

Kommt Barzahlung nun doch nicht mehr in Frage, steht die Frage nach Finanzierung oder aber Leasing auf der Agenda. Die verschiedenen, zum Teil von Autohäusern oder Herstellern sehr stark gestützten Vertragsmodelle lassen sich pauschal schwer vergleichen. Ein Einzelvergleich von Angeboten ist wiederum immer möglich. Hierzu sollte Ihnen aber grob bekannt sein, ob Sie nach der Laufzeit des Vertrages das Auto weiter nutzen werden, es nur zurückgeben wollen und im Austausch ein neues übernehmen werden. Oder was auch immer.

Es ist an dieser Stelle weder richtig noch seriös, in einer pauschalen Bewertung eine Empfehlung pro oder contra dem einen oder dem anderen auszusprechen. Hier ist sehr sinnvoll, vom Anbieter zwei Vergleichsrechnungen anzufordern und sich selbst bereits im Vorfeld über das mögliche Prozedere nach dem Vertrag klar zu werden. Die Angebote prüfen Sie entweder selbst oder zusammen mit dem eigenen Steuerberater, natürlich immer bezogen auf Ihre Situation. Und wie so oft: Spielraum im Angebot gibt es in der Regel auch noch …

Die UNTERNEHMERISCHE Antwort

Es stimmt nicht, dass es zum Selbstverständnis erfolgreicher Unternehmer gehört, immer und alles bar zu zahlen, um sich dann stolz einen Aufkleber „bar bezahlt“ irgendwo hin zu kleben.

Wichtig: Ihre Investition sollte sinnvoll sein, was immer das heißt. Und Ihr Betrieb sollte nach der Investition sein Geschäft noch besser, noch servicestärker, noch erfolgreicher betreiben können. Hierum geht es.

Sie als Inhaber sollten sich zumindest grob über die Auswirkungen Ihrer Investition im Klaren sein, damit es Ihren Betrieb auch morgen noch gibt. Das ist alles.


Herzliche Grüße sendet Ihnen
Ihr Steffen Ritter

Ab nächste Woche umweht den Blog und die nächsten Antworten leichter Ostseewind. Die Entwicklungstage-Saison des zweiten Halbjahres 2009 starten am Sonntag Abend auf der Insel Rügen.

Übrigens – als nächste Frage der Top 100 beantworte ich am Montag:

Wenn ich meine wirklich besonderen Leistungen ganz offen kommuniziere, werde ich doch ganz schnell kopiert?

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